Seit einiger Zeit erreichen uns immer wieder ähnliche Fragen: Kann man angesichts der politischen Entwicklungen überhaupt noch einen Freiwilligendienst in den USA empfehlen? Ist das Land noch sicher? Muss ich mir Sorgen machen?
Diese Fragen sind verständlich. Die Berichterstattung über die USA ist geprägt von politischen Spannungen, gesellschaftlicher Polarisierung und kontroversen Entscheidungen. Wer mehrere Monate in einem anderen Land verbringen möchte, möchte sich darauf verlassen können, dass er sich dort sicher fühlt – und auch Eltern stellen diese Fragen völlig zu Recht.
Deshalb beobachten wir die Entwicklungen aufmerksam und stehen in engem Austausch mit unseren Partnerorganisationen vor Ort.
Was erleben die Freiwilligen?
Die Rückmeldungen unserer aktuellen Freiwilligen zeichnen ein differenziertes Bild. Niemand beschreibt die politische Situation als unproblematisch. Gleichzeitig berichten sie von einem sicheren Alltag, engagierten Einsatzstellen und einer großen Offenheit der Menschen vor Ort.
Eine Freiwillige aus dem Bundesstaat New York beschreibt die Situation so:
„Die USA befindet sich politisch in einer extremen Situation. Das sollte man nicht kleinreden. Gleichzeitig ist das Land riesig und die Erfahrungen unterscheiden sich je nach Region. Ich lebe in einer ländlichen Gegend und fühle mich persönlich sicher. Trotzdem ist mir bewusst, dass sich Menschen je nach Herkunft oder persönlichem Hintergrund anders fühlen können.“
Diese Einschätzung zeigt genau das, was wir auch aus anderen Rückmeldungen kennen: Die politische Lage verdient Aufmerksamkeit – gleichzeitig lässt sie sich nicht auf den Alltag aller Freiwilligen übertragen.
Auch eine weitere Freiwillige berichtet, dass sie den Alltag vor Ort als sehr positiv erlebt:
„Ich kann die Sorgen der Bewerber verstehen. Gleichzeitig begegnen uns die Menschen hier sehr herzlich und bedanken sich sogar dafür, dass wir als Freiwillige in ihrer Region mitarbeiten. Ich würde jederzeit wieder in die USA kommen und kann anderen trotz aller Ängste empfehlen, diesen Schritt zu wagen.“
Auf die Frage, ob sie sich heute noch einmal für einen Freiwilligendienst in den USA entscheiden würden, antworten unsere derzeitigen Freiwilligen überwiegend mit einem klaren Ja.
Auch unsere Partnerorganisationen beschreiben ihre Einrichtungen und die jeweiligen Regionen weiterhin als sichere Orte für internationale Freiwillige.
Hinzu kommt, dass sich unsere Einsatzstellen überwiegend in kleineren Städten oder ländlichen Regionen befinden. Viele der Herausforderungen, über die im Zusammenhang mit amerikanischen Großstädten berichtet wird, prägen den Alltag unserer Freiwilligen daher nicht in gleichem Maße.
Wie sieht es mit der Einreise aus?
Auch die Frage nach der Einreise beschäftigt viele Interessierte.
Bislang haben wir keine Fälle erlebt, in denen Freiwilligen das erforderliche Visum für ihren Freiwilligendienst verweigert wurde. Selbstverständlich kann sich die Einreise- und Visapraxis jederzeit ändern, weshalb wir die Entwicklungen aufmerksam verfolgen und unsere Freiwilligen sorgfältig auf ihre Ausreise vorbereiten.
Zum jetzigen Zeitpunkt sehen wir jedoch aufgrund unserer Erfahrungen keinen Anlass, von einem Freiwilligendienst in den USA abzuraten.
Warum Freiwillige gerade jetzt wertvoll sind
Gerade in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Spannungen kommt internationalen Begegnungen eine besondere Bedeutung zu. Ein Freiwilligendienst ist weit mehr als ein Auslandsaufenthalt – er ist gelebte Solidarität und ein Zeichen dafür, dass Menschen füreinander Verantwortung übernehmen, auch über Ländergrenzen hinweg.
Unsere Freiwilligen engagieren sich in sozialen Einrichtungen, begleiten ältere Menschen, unterstützen Menschen mit Behinderungen, arbeiten mit Kindern oder helfen in anderen gemeinnützigen Projekten. Dabei geht es nicht nur um die praktische Unterstützung, sondern vor allem um die Begegnung zwischen Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Perspektiven.
Internationale Freiwilligendienste leben von Offenheit, gegenseitigem Respekt und dem Wunsch, voneinander zu lernen. Werte wie diese verlieren in politisch herausfordernden Zeiten nicht an Bedeutung – im Gegenteil: Sie werden umso wichtiger.
Sorgen ernst nehmen – ohne sie größer zu machen
Gleichzeitig wäre es falsch, die aktuelle Situation zu beschönigen. Die USA befinden sich in einer Phase gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen. Je nach Region können Freiwillige andere politische Einstellungen oder gesellschaftliche Debatten erleben, als sie es aus Deutschland gewohnt sind.
Ein Freiwilligendienst bedeutet aber nicht, sich unvorbereitet in eine unsichere Situation zu begeben. Unsere Freiwilligen werden intensiv vorbereitet, vor Ort begleitet und sind in den Einsatzstellen sowie Gastfamilien oder Wohnprojekten eingebunden. Sie sind nicht auf sich allein gestellt.
Unsere Freiwilligen berichten außerdem, dass sie ihre Freizeit ganz selbstverständlich gestalten: Sie unternehmen Ausflüge, reisen an Wochenenden und in Urlauben durch verschiedene Bundesstaaten und lernen die Vielfalt des Landes kennen – von New York City und Boston über die Niagarafälle bis nach Puerto Rico, Florida oder an die Westküste.
Deshalb halten wir es für wichtig, Sorgen ernst zu nehmen, sie aber auf Grundlage konkreter Erfahrungen und verlässlicher Informationen einzuordnen.
Gerade jetzt braucht es transatlantische Völkerverständigung
Vielleicht ist gerade die aktuelle Zeit ein guter Grund, den Austausch zwischen jungen Menschen nicht zu verringern, sondern zu stärken.
Internationale Freiwilligendienste leben davon, dass Menschen einander persönlich begegnen – unabhängig davon, welche politischen Entwicklungen gerade Schlagzeilen machen. Wer mehrere Monate in einer Gemeinschaft lebt, in einer sozialen Einrichtung mitarbeitet und Freundschaften über Ländergrenzen hinweg schließt, lernt ein Land auf eine Weise kennen, die keine Nachrichtensendung vermitteln kann.
Gerade jetzt braucht es umso mehr transatlantische Völkerverständigung. Begegnungen schaffen Verständnis, bauen Vorurteile ab und helfen dabei, gesellschaftliche Entwicklungen differenziert einzuordnen. Das gilt für unsere Freiwilligen genauso wie für die Menschen, denen sie in den USA begegnen.
Unser Fazit
Nach allem, was wir derzeit wissen und aus erster Hand zurückgemeldet bekommen, sehen wir keinen Grund, jungen Menschen grundsätzlich von einem Freiwilligendienst in den USA abzuraten.
Wir verfolgen die Entwicklungen aufmerksam, stehen in engem Kontakt mit unseren Partnerorganisationen und nehmen mögliche Veränderungen ernst. Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen unserer Freiwilligen und Einsatzstellen, dass ein Freiwilligendienst in den USA auch heute ein sicherer, bereichernder und wertvoller Lernort sein kann.
Wer sich für einen Freiwilligendienst entscheidet, reist nicht in ein perfektes Land – sondern in eine vielfältige Gesellschaft, die wie viele andere Länder vor Herausforderungen steht. Gerade darin liegt die Chance eines internationalen Freiwilligendienstes: Menschen kennenzulernen, Perspektiven zu wechseln und Brücken zwischen Gesellschaften zu bauen.









